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INS soll ohne Argumente plattgemacht werden

Das Institut für Niederdeutsche Sprache (INS) ist die einzige länderübergreifende, wissenschaftliche Einrichtung fürs Plattdeutsche. Dennoch wollen die Länder Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein der renommierten, über 40 Jahre alten Einrichtung Ende 2017 den Geldhahn zudrehen. Eine schlüssige Argumentation bleiben die Länder aber bis heute schuldig. Auf der jüngsten Sitzung des „Beratenden Ausschuss für Fragen der niederdeutschen Sprachgruppe beim Bundesministerium des Innern“ in dieser Woche war die drohende INS-Schließung einziger Tagesordnungspunkt. Für DIE LINKE nahm der Osterholzer Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens daran teil.

Behrens forderte die Landesvertreter auf, Gründe für die Abkehr vom INS zu nennen. Doch die blieben eine Antwort schuldig. Sie konnten auch keine Alternativen präsentieren. „Ein  funktionierendes, anerkanntes Projekt zu kündigen ohne zu wissen, was danach kommt, ist kontraproduktiv“, meinte Behrens. „Das widerspricht der Charta der Regionalsprachen und behindert auch die darin festgeschriebene hochwertige Förderung des Niederdeutschen.“ Angesichts knapper Ressourcen ist die Dezentralisierung in Behrens Augen gleichbedeutend mit einer Schwächung des Plattdeutschen.

Auch die Länder-Forderung an INS-Leiter Peter Golze, neue Konzepte vorzulegen, kann Behrens
nicht nachvollziehen. „Das INS verfolgt aktuell viele zeitgemäße Vorhaben, von der Liederdatenbank
über das Webwörterbuch bis hin zu Konzepten für den Schulunterricht.“ Zudem wunderte sich der
Abgeordnete, warum in den vorangegangenen Sitzungen des Beirates nie Kritik am INS geäußert
worden sei. „Der Rückzug der Länder kam deshalb völlig überraschend.“ Die Ländervertreter wurden
aufgefordert, bis zur nächsten Beiratssitzung am 23. November schlüssige Konzepte für ihre
regionalen Plattdeutschzentren vorzulegen.

Herbert Behrens hatte die vier Länderchefs übrigens bereits im Juni angeschrieben und aufgefordert, von der Zerschlagung des INS abzusehen. In den auffallend ähnlich formulierten Antwortschreiben konnten die Verantwortlichen weder Gründe noch Alternativen nennen.