Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen
Oscar Schouten, Dieter Haase, Ingo Braunschweiger, Carl-Georg Issing, Heike Scherber, Ulrike Behrens und Hans-Heinrich Lachnit freuten sich über den Besuch des Bundestagsabgeordneten Herbert Behrens und des Landtagsabgeordneten Patrick Humke (von links) in der Waldheim-Stiftung.
Der Landtagsabgeordnete Patrick Humke (links) und der Bundestagsabgeordnete
Herbert Behrens sprachen mit Bewohnern und Mitarbeitern der Waldheim-Stiftung über Inklusion.
Hans-Heinrich Lachnit, Patrick Humke und Herbert Behrens (v.l)

„Inklusion wird noch eine Sache von Generationen sein“

Am Donnerstag, 15. November, besuchte Herbert Behrens gemeinsam mit dem sozialpolitischen Sprecher der Linken im Niedersächsischen Landtag Patrick Humke die Waldheim-Stiftung in Cluvenhagen (Landkreis Verden). Im Mittelpunkt der Gespräche mit Bewohnern, Mitarbeitern und Vorstand stand das Thema Inklusion.

Die Waldheim-Stiftung betreut fast 400 Menschen mit geistiger Behinderung. Das Angebot reicht von der Förderschule und Werkstätten bis hin zu verschiedenen Wohnformen. „Die Gesellschaft ist noch nicht so weit, um sich mit Inklusion auseinanderzusetzen“, meinte Oscar Schouten vom Waldheim-Vorstand im Gespräch mit Herbert Behrens und Patrick Humke. „Man muss erst das ganze System aufbrechen.“ „Inklusion wird noch eine Sache von Generationen sein“, ergänzte seine Vorstandskollegin Ulrike Behrens.

Selbstbestimmt leben

Die Mehrzahl der von der Waldheim-Stiftung betreuten Menschen lebt im Wohnheim in Cluvenhagen.  Andere werden in der Wohntrainingsgruppe auf die Selbstständigkeit vorbereitet und ziehen schließlich in die eigenen vier Wände. So wie Maik Meyer. „Das ambulant betreute Wohnen ist richtig gut“, erzählte er den beiden Abgeordneten. „Aber es war schwer, eine Wohnung  zu finden.“ „Es gibt eine ganz schlechte öffentliche Finanzierung für den sozialen Wohnungsbau“, räumte Herbert Behrens ein, der Mitglied im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Bundestages ist.

Kaum Jobs am ersten Arbeitsmarkt

Vielen Menschen mit geistiger Behinderung bleibt ein Job auf dem ersten Arbeitsmarkt verwehrt. Nicht einmal Einrichtungen der öffentlichen Hand stellten Arbeitsplätze oder wenigstens Praktika zur Verfügung, bemängelte Dieter Haase von der Waldheim-Stiftung. Gleichzeitig würden die Behindertenwerkstätten „als Meister Raffzahn in die Ecke gestellt“. Dabei seien sie verpflichtet, 70 Prozent des Erwirtschafteten an Löhnen an die Belegschaft auszuschütten.

Inklusion darf kein Feigenblatt sein

Patrick Humke und Herbert Behrens versicherten, sich in ihren Parlamenten als „vernünftige Stimme für Menschen mit Behinderung einzusetzen“. „Damit die Inklusion nicht nur ein Feigenblatt ist, müssen sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern. Die Leute müssen davon überzeugt sein, sonst geht das alles schief“, meinte Patrick Humke. „Man hat entscheidende Jahre vertan“, sagte Herbert Behrens. „Jetzt soll alles plötzlich ganz schnell gehen, obwohl ausgereifte Konzepte fehlen. Weder werden von Land und Bund ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, noch ist die Ausbildung der Pädagogen auf Inklusion ausgerichtet. Es wäre unverantwortlich, eine ganze Generation behinderter Menschen für einen unausgegorenen Testlauf zu missbrauchen.“