Am Donnerstag, 26. Januar, beschloss der Bundestag gegen die Stimmen aller Oppositionsparteien Erleichterungen in der Sportbootschifffahrt. Unter anderem wird die Führerscheinpflicht für Sportboote von derzeit fünf auf 15 PS angehoben. Auch das Chartern von Hausbooten wird erleichtert. Die Bundesregierung verspricht sich von der Neuregelung eine Attraktivitätssteigerung für den Wassersport.
Für den norddeutschen Verkehrspolitiker Herbert Behrens (DIE LINKE) birgt die Liberalisierung hingegen unkalkulierbare Risiken. Das machte er gestern Abend während der Debatte im Deutschen Bundestag klar. „Es wird extrem gefährlich, wenn sich künftig Menschen, ohne dass sie vorher geprüft worden sind, ins Boot setzen und mit bis zu 40 Stundenkilometern über die Gewässer brettern.“ Die ungeschulten Motorbootfahrer könnten nach Ansicht der LINKEN für Ruderer, Kanuten oder im Uferbereich schwimmende Kinder zu einer tödlichen Gefahr werden.
Behrens erinnerte daran, dass während der Anhörung im Verkehrsausschuss etliche Experten und Fachverbände vor der Lockerung der Führerscheinpflicht gewarnt hätten. „Wir haben sogar vom Motoryachtverband gehört: Das schadet dem Ansehen des motorisierten Wassersports.“ Die Wasserschutzpolizei habe eingeräumt, dass Geschwindigkeitskontrollen auf den Gewässern wegen der dünnen Personaldecke nahezu unmöglich seien. Umweltschutzverbände warnten zudem vor negativen Folgen für Flora und Fauna. Für Behrens ist es „eine Frechheit, dass die Regierungskoalition die Stellungnahmen der Wassersportverbände nicht ernst nimmt und ihnen Eigeninteressen und Lobbyismus vorwirft - nur weil sie auch Führerscheinprüfungen gegen Gebühr abnehmen.“
Der Parlamentarier bezweifelt, dass die Liberalisierung den Wassertourismus belebt. „Es ist
ein Trugschluss, zu glauben, dass Regionen für Touristen attraktiver werden, wenn Bootsverleiher an jeden ihre Yachten verleihen können, ohne dass sie eine entsprechende Ausbildung vorweisen müssen.“ Der Verkehrspolitiker widersprach der Darstellung der Regierungskoalition, dass die deutschen Regelungen im Vergleich zu denen in anderen europäischen Staaten besonders restriktiv seien. „Im europäischen Vergleich liegen wir im Mittelfeld. In Spanien müssen alle, die ein Motorboot fahren wollen, den Führerschein besitzen. In den Niederlanden besteht Führerscheinpflicht, wenn man ein Boot steuert, das schneller als 20 Stundenkilometer fahren kann.“